Sturmflut
Montag, 29. August 2016
"Stress hat nur der Leistungsschwache!"
Wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, dann wäre es mir ganz egal, ob es unpopulär ist, über das eigene Versagen zu schreiben. Aber ich bin, die ich bin. Es macht mir etwas aus, denn die Erwartungen anderer sind nach wie vor viel bedeutender für mich, als ich eigentlich selber will. Das macht die eigene Schwäche noch viel schwerer erträglich, als sie es sowieso schon ist.

Es ist unpopulär, besagte Schwäche zu thematisieren. Das wird im besten Fall mit befremdeter Distanz beantwortet, mehrheitlich aber als Jammern gedeutet oder als Selbstmitleid, und als solches auch verurteilt. Ich erlebe das besonders im Kollegium, in dem einerseits die Leute angesichts hoher Arbeitsbelastung und 50-Stunden-Woche umfallen wie die Fliegen, andererseits aber ständig Sprüche fallen wie "Stress hat nur der Leistungsschwache!" oder "Ach, der ist so ein depressiver Lappen!". Um zum Punkt zu kommen: Natürlich trifft mich das, denn ich bin mal wieder so weit, ich habe es nicht ausgehalten, nicht mehr länger geschafft, ich gehöre zu eben jenen Leistungsschwachen, die es nicht packen.

Ich bin seit vergangener Woche wieder krank geschrieben. Die Migräneanfälle häuften sich wie näher kommende Bombeneinschläge, bis ich am Ende kaum die Möglichkeit hatte, mich überhaupt so richtig von einem zu erholen, ehe der nächste kam. Migräne, das ist auch so ein Ding. Findet sich auf einer blöden Webseite als Tipp für eine Krankheit, die man dem Arzt und dem Arbeitgeber vorspielen kann, um blau zu machen, ohne dabei erwischt zu werden. Und ich denke nur: "Herzlichen Dank für diesen Bärendienst, ihr Idioten!" Migräne gehört zu den definitiv absolut unschönen, wiederkehrenden Erlebnissen, die mich bereits den größten Teil meines Lebens begleiten. Wenn sich die Augen weigern, zu sehen, der Kopf, zu denken, wenn sich Worte in Luft auflösen, noch ehe der Mund sie formen kann, wenn das Gefühl aus den Fingern weicht und am Ende alles in einen penetranten Schmerz mündet, dann ist das kein Vergnügen und hat schon mal gar nichts mit Urlaub zu tun. Aber wer glaubt einem das? Zumal das Etikett "selbst schuld" schon draufgeklebt wird, kaum dass man das Wort Migräne überhaupt ausgesprochen hat. "Kannste da nicht eine Tablette einwerfen und weiter arbeiten?", fragte unser Betriebsleiter mal. Nein. Kann ich nicht.

Getriggert wird die Migräne bei mir massiv durch Stress, und das macht die Sache nicht leichter. Denn Stress haben ja schließlich nur die Leistungsschwachen. Den macht man sich ja selbst. Also ist wohl auch die Migräne selbst gemacht.

Mein inneres Bewertungssystem ist eine Sache. Dass es mir nicht erlaubt ist, mich hängen zu lassen, aufzugeben, loszulassen, mich zu erholen, etwas nicht zu schaffen - das habe ich verinnerlicht und rufe es mir immer wieder brav ins Bewusstsein. Ich bin ganz die Marionette dieser alten Maßstäbe, die ich immer noch reproduziere, weil ich mich hundsmiserabel fühle, wenn ich es nicht tue. Wie es also auch kommt, hundsmiserabel fühle ich mich auf jeden Fall. Noch mehr Abwertung kommt dann von außen dazu. Bei der Arbeit geht es um Schuldzuweisungen für Fehler, nicht um die Bewältigung von Problemen. Darum, das maximale Arbeitspensum aus den Angestellten herauszuquetschen, nicht darum, sich besser aufzustellen, um für die nächste Auftragsspitze auch gut gerüstet zu sein. Und dann noch die blöden Sprüche dazu. Der Chef findet, wir laufen zu viel durch die Gegend und verschwenden damit Zeit. Findet, wir starren nur auf den weißen Bildschirm.

Ich sitze hier, den Laptop auf dem Schoß, und denke über das eigene Versagen nach. Darüber, warum es mich so schmerzt, dass mir meine Migräne und damit den "guten Grund" fürs Krankgeschriebensein keiner glauben wird. Den Grund, den man ja immer braucht, weil es nicht ausreicht, zu sagen: "Ich kann nicht mehr. Ich schaff's nicht mehr!" Draußen scheint die Sonne, mein Blick ist gerade klar, und die Stimme in meinem Kopf sagt: "Du könntest längst wieder arbeiten." Die Erlaubnis, mich gut um mich selbst zu kümmern, entzieht sie mir sogar noch rückwirkend. Das macht unendlich müde, müde von einer Art, die sich nicht durch Schlaf beheben lässt - und es ist Teil des Problems. Begrenzte Belastbarkeit ist ein Problem, weil sie nicht mehr stattfinden darf. Niemand ist unbegrenzt belastbar. Das weiß mein Kopf. Aber meine Seele, die hat es gefressen, dass es keine Gnade gibt für die, die nicht immer und überall 100 % geben. Diese 100 % nicht zu schaffen, das kommt dem Entzug der Existenzberechtigung gleich. Auch das ist Depression.

Ich versuche, der aufkeimenden Wut in mir eine Chance zu geben. Mir mehr und mehr bewusst zu werden, dass ich mich wehren darf - gegen die Totalverwertung und die Verurteilung, die dem vermeintlichen Versagen anhaftet. Ich war gerade einen Tag raus aus dem Job, da erreichte mich eine WhatsApp meines Kollegen, ob ich nicht noch mal kurz helfen könnte, ... Nein! Nein, ich kann dir nicht helfen, denk selber! Es macht viel weniger Mühe, als du meinst. Ich kann dir nicht helfen, denn ich bin in einem Zustand, in dem es nicht mehr geht. Am Ende der Fahnenstange. Krank heißt nicht im home office!

In der Nacht vor dem Migräneanfall, der mich schließlich zum Arztbesuch mit Krankschreibung veranlasste, träumte ich, ich hätte einen Schlaganfall. Ich lief mit herabhängendem Mundwinkel durch die Gegend, nicht in der Lage, mich vernünftig zu verständigen. Ich sagte immer nur wieder: "Ruft den Notarzt, ruft den Notarzt!", aber niemand wollte glauben, niemand wollte helfen. Währenddessen spürte ich, wie sich mein Bewusstsein immer mehr auflöste und ich immer handlungsunfähiger wurde. Ich glaube, dass dieser Traum zu meinem Beschluss beitrug, die Reißleine zu ziehen.

Die gehässigen Stimmen, die mir Dramatisierung vorwerfen und Übertreibung und Selbstmitleid, sind nicht Resultat, sondern Ursache dieses Problems. Ich streife diese Erkenntnis zum wiederholten Mal und hoffe auf ein Begreifen.

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Sonntag, 10. Juli 2016
Draußen


Fühlen.
(Seine Hand in meiner. Die Riemen des Rucksacks. Meine Fußsohlen beim Laufen. Die Kleidung auf meiner Haut. Haar, das an meinem Hals kitzelt. Den Wind, der streichelt. Schmerz im Knie und den Muskeln. Die Stiche von Bremsen. Schweiß, der über den Rücken läuft. Schotter unter den Füßen. Den eigenen Atem. Wasser auf der Zunge. Den Gummibund der Socken. Die dick gewordenen Finger. Durst. Insekten, die über die Haut krabbeln. Die Höhe der Bäume. Das Rutschen der Sonnenbrille auf dem Nasenrücken.)



Hören.
(Den Bass einer Hummel im Vorbeifliegen. Knirschenden Kies unter unseren Schritten. Wind in den Kornfeldern. Vogelstimmen in der Kathedrale des Waldes, mannigfach. Rascheln im Gebüsch. Grillenzirpen. Einen Traktor beim Wenden von Heu. Knackende Zweige. Grüße Entgegenkommender. Das leise, wehende Rauschen von Rotorblättern. Ein Motorrad auf der Landstraße in der Ferne. Die Kettenschaltung eines Mountainbikes. Brummende Hochspannungsleitungen. Glockengeläut. Eine schimpfende Drossel. Ein irrsinniges Summen in den Wipfeln der blühenden Linden. Das Sirren von Mauerseglern. Zitternde Pappeln. Den Lauftakt einer vorbeiziehenden Joggerin.)



Sehen.
(Abendsonne zwischen Fichten. Sich windende Wege. Teppiche blühender Margariten. Im Wind wogende Felder. Knallrote Kirschen. Trauben violetter Glockenblumen. Eine tote Spitzmaus. Baumreihen wie Perlenketten. Blaue Hügel am Horizont. Patchworkdecken aus Feldern und Wiesen. Den sanften Schwung von Tälern und Höhenrücken. Verwilderte Himbeeren im Gebüsch. Das grüne Glühen von Farn am Fuß der Buchen. Zertretene Schneckenhäuser. Einen Rehbock im Feld. Heiligenbilder. Schwarze Käfer auf dem Weg. Halbverfallene Scheunen. Streuobstwiesen. Bienenstöcke. Schwaden kleiner Fliegen, die uns verfolgen. Einen mumifizierten Frosch. Waldmeister. Alleen.)



Riechen.
(Nadelwald. Die Süße von Lindenblüten. Heu in der Sonne. Moder aus Waldgräben. Insektenabwehrspray. Den Diesel des Forstfahrzeugs. Die Papiertüte mit der Käsebrezel. Schweiß. Frisch geschlagenes Holz.)

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Sonntag, 8. Mai 2016
Veränderliche Konstanten
So lange es nichts gab, das mich zufällig in die Nähe meines Heimatortes verschlagen hatte, habe ich auch nicht groß darüber nachgedacht, ob und wie sich dieses Dorf verändert haben könnte. Man sagt ja gerne, dass man seine Heimat zwischenzeitlich einmal (auch für länger) verlassen haben muss, um wieder neu dorthin zurückkehren zu können. Aber dass ich hinfuhr, war kein bewusster Vorsatz, sondern lag an einer Baustelle, die ich umfahren musste, als ich den Gatten am Freitag zum Bahnhof brachte. Bewusst, wenn auch notgedrungen zurückgekehrt war ich in das Nest bereits vor Jahren. Ich weine ihm keine Träne nach.

Natürlich hat das Dorf auch seine schönen Ecken. Da ist die kleine, gotische Kirche, die von alten Bäumen umgeben am Hang eines kleinen Höhenrückens liegt. Es gibt ein paar ganz hübsche Kopfsteinpflastergassen und einen Park an der anderen Seite des Hangs, von dem aus man weit über die Landschaft sehen kann. Dennoch möchte ich dort - wie man in unserer Ecke so schön sagt - nicht tot überm Zaun hängen. Es ist ja nicht so, dass ich ein Faible für Metropolen habe. Aber dieses Dorf ist inzwischen ein klassisches Wohndorf, eine Art altbackenes Suburbia, aus dem die spannenden Orte meiner Kindheit längst verschwunden sind. Der Trampelpfad entlang der Eisenbahngleise, den wir zur Schule gingen, existiert nicht mehr. Den alten Sandsteinbruch haben sie sozusagen domestiziert und ein Museum draus gemacht. Ich mochte ihn lieber mit den Brombeerranken und dem leisen Kribbeln, das entstand, wenn wir uns über das Zutrittsverbot hinwegsetzten. Vielleicht romantisiere ich ja auch.

Auf dem Rückweg vom Bahnhof nach hause entschließe ich mich, einen Blick auf das Dorf zu werfen, auch wenn ich ziemlich genau weiß, dass das nichts mehr mit meinen Erinnerungen und Erlebnissen zu tun hat. Ich wollte wissen, was ich noch erkennen würde. Was würde sich erneut verändert haben?

Ich biege also hinterm Ortseingang nach links ein, stelle das Auto auf dem Parkplatz ab und gehe zuerst zum Grab meiner Großmutter auf den Friedhof. Es ist erst halb acht morgens, die Sonne hat bereits erstaunliche Kraft, der Himmel ist strahlend blau, und der Friedhof liegt vollkommen still da. Selbst, obwohl ich später selbst nicht beerdigt, sondern verbrannt werden möchte, üben Friedhöfe eine große Faszination auf mich aus. Inzwischen gibt es auch auf diesem Friedhof ein Urnenfeld - etwas, das sehr unüblich für diese Gegend ist. Ich versuche mich zu erinnern, wo genau das Grab meiner Großmutter ist. Ich bin nicht oft hingegangen. Mir kommen Erinnerungen an ihr Begräbnis. Wie die Nachbarn mit ihrem Sarg auf den Schultern beinahe stolperten und wie meine Schwester sich nach dem Beerdigungskaffee darüber echauffierte. Ich besitze noch das Foto, das sie damals von dem frisch aufgeschütteten Grabhügel machte, der unter Kränzen und Blumen verschwand.

Während ich noch suche, entdecke ich vertraute Namen. Unsere alten Nachbarn samt ihrem Sohn. Eltern einer Schulfreundin meiner Schwester. Immer der Gedanke: "Ach, die auch...". Ich war sehr lange nicht mehr da. Vom Tod mancher Menschen hatte ich gehört. Ich wusste auch, dass die Grabstätte meiner Großeltern nach dem Wiederkauf verändert worden war. Ich lasse den Blick an den Reihen entlang schweifen und suche den polierten, schwarzen Stein, und ich bin schon drauf und dran, zu gehen, als ich ihn schließlich finde. Koniferen bedecken halb die Namen, dazwischen eine Reihe Trittsteine, die sind wie immer. Ich bleibe stehen und sehe mir die Daten an. 1909 - 1965 und 1911 - 2003. Meine Großmutter hat länger ohne ihren Mann gelebt als mit ihm und starb zehn Tage nach der Hochzeit meiner Schwester. Die Sträucher, die trockene, graue Erde und die in den Stein geschnittenen Zeichen haben nichts mit dem Moment zu tun, als ich zum letzten Mal ihre Hand hielt, ihr durch das wirre, graue Haar strich (wir nannten sie mit dieser Frisur zum Schluss oft scherzhaft "Einstein"), wie ich ihr Herz auf dem Überwachungsmonitor schneller schlagen sah. Sie hat mich gehört und gespürt. Eine Viertelstunde später war sie tot. Das ist dreizehn Jahre her.

Irgendwann taucht ein Friedhofsgärtner auf, grüßt in der bei uns üblichen, wortkargen Art und geht weiter. Ich frage mich, ob ich wohl noch das Grab der Mutter meiner besten Grundschulfreundin finde. Ich frage mich, ob sie selbst wohl noch lebt. Wenn man den Kontakt zu seinen Eltern einstellt, dann funktioniert auch das Buschtelefon nicht mehr. Ich weiß nur, dass diese Freundin die Veranlagung ihrer Mutter zum Brustkrebs erbte.

Ich verlasse den Friedhof. Mir fällt jetzt erst auf, wie klein er ist. Alles ist klein. Das ganze Dorf scheint geschrumpft zu sein. Ich lenke das Auto an der Kirchmauer entlang, auf der wir als Jugendliche oft im Sommer mit baumelnden Beinen gesessen hatten. Der Schaukasten mit den Gemeindemitteilungen steht noch an derselben Stelle, der Rasen sauber gemäht, gebastelte Papierschmetterlinge im Fenster des Gemeindehauses. Die Kneipe am Brunnen hat jetzt einen anderen Namen (ich glaube, sie heißt pfiffigerweise jetzt "Gasthaus am Brunnen"). Das Möbelhaus in Achtzigerjahre-Architektur gegenüber steht immer noch leer. Ein glatzköpfiger Mann mit einem dicken Hund geht das Kopfsteinpflaster hinauf. Im Dönerladen meiner Jugend werden jetzt Blumen verkauft, in der Eisdiele von damals Pizza und Döner. Dinge ändern sich, obwohl sie sich nicht ändern.

Wenn du nicht da bist, während sich die Dinge ändern, dann kommt die Änderung so plötzlich. Ich frage mich, wie vielen alten Menschen es so gehen muss. Häuser werden abgerissen, hochgezogen, Straßen verlegt, und du selbst hast doch nur zehn Jahre nicht hingeschaut, und dann ist alles anders. Dort, wo ich jetzt zuhause bin, ändern sich alles sukzessive. Ich sehe es, kann es greifen, und mein Gedächtnis ist mir treu. Aber dieses Dorf ändert sich nicht nur äußerlich. Meine Distanz ist nicht nur räumlich. Hier und da ein Ankerpunkt, ja. Eine Erinnerung. Oder ein Grab. Verwandte. Eine Durchfahrt. Aber auch die Erinnerungen relativieren sich. All die Kurven, um die ich hunderttausend Mal gebogen bin, haben nur so geringe Bedeutung. Die Türen, vor denen ich gestanden und die Fenster, zu denen ich hinaufgeschaut habe, sind in meinen Tagebüchern lebendiger als in der Wirklichkeit. Die Schleichwege, die ich kannte, sind Kindheitserinnerungen. Es gibt sie nicht mehr.

Es ist auch die eigene Veränderung, oder vielleicht vor allem die, die mich von all dem noch weiter entfernt. Meine Schwester ist oft mit ihren Kindern bei den Großeltern, sie schafft neue, lebendige Verbindungen zu diesem Ort. Ich tue das nicht. Vielleicht gehe ich eines Tages mit meiner Cousine durch das Dorf, meiner Tante, meinem Mann. Vielleicht sogar mit meinem Vater, meiner Mutter. Ich weiß nicht, was noch kommen wird. Vielleicht komme ich auch weiterhin nur selten zurück, und die Wirklichkeit bleibt nurmehr eine Skizze meiner Erinnerung, die entfernte Ähnlichkeit hat. Das Leben ist, wo ich gerade bin.

Meine Oma sieht mich von dem Foto her an, das an der Wand meines Dachzimmers hängt. Sie hat ein Baby auf dem Schoß in einem gelb-roten Frottee-Strampelanzug, und sie hält seine kleine Hand zart zwischen ihren großen, groben Fingern. Mich. Sie hat mich immer gehalten. Die Erinnerung an sie steckt auch in diesem Dorf. Sie steckt in dem alten Haus mit der Schmiede, in dessen Garten ich als ganz kleines Kind auf dem Bauch in der Sonne lag und das schon lange nicht mehr steht. Sie steckt in dem Friseurladen, zu dem ich sie untergehakt begleitete und der schon längst geschlossen hat. Sie steckt in den Einkaufszetteln, die sie schrieb und auf denen jede Woche drei Dosen Kondensmilch standen, so als könne jederzeit eine Konsensmilchknappheit eintreten. In den Zetteln, die ich mitnahm, um für sie einzukaufen bei dem kleinen Spar-Markt, den es schon lange nicht mehr gibt. Sie steckt in der Gartenerde, in die sie säte und die sie mit ihren Holzschuhen sorgfältig festtrat.

Ich höre sie auf Plattdeutsch meinen Namen nennen. Höre sie liebevoll mit dem Hund schimpfen. Sie ist mit dem Ort fest verwoben und mit mir und der Ort mit mir.

Gehen wir weiter.

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