Sturmflut
Ibiza (4): Echsen überall
Ein Gecko im Haus bringt Glück, sagt man auf Ibiza. Und man solle mit dem Einzug in ein neues Haus warten, bis mindestens einmal ein Gecko dringewesen ist. Wundert mich auch nicht: Das Echsenviech ist mir äußerst sympathisch, mit seinen wachen Knopfaugen und den fingerartigen Saugnapf-Füßen. Und ein erstklassiger Insektenvertilger.

Es taugt auch als Werbeträger. Überall auf Ibiza kann man Accessoires rund um den Gecko käuflich erwerben, und das Reptil ist zum Inselsignet avanciert. Es gibt ihn in Gips, Holz und Blech, zum am Hals tragen, an die Wand nageln und Aufkleben.


Der Gemahl erstand ein hübsches Strandlaken, über das großformatige Geckos mäandern. Der Gecko gehört zur CI Ibizas. Geschäftemacherei? Klar. Aber trotzdem irgendwie nett. Ich habe sonst keine Souvenirs gekauft, aber ein Echsenaufkleber für la biciclettas Speichenschutz musste sein.

So ein Gecko ist allerdings auch ziemlich scheu. Insgesamt begegnete er uns abends auf der Terrasse zweimal. Das erste Mal klebte er unter der Decke vor unserem Schlafzimmerfenster, was dem Gatten veranlasste, flugs das Fenster zu schließen. Glück hin oder her, der Gedanke an ein Reptil in der Schlafkammer war ihm doch ein wenig unangenehm. Das Tier ließ sich aber geduldig ablichten und verschwand dann im Laufe des Abends, vermutlich an einen Platz, der fettere Beute in Form von Motten und Mücken verhieß.


Die zweite Begegnung verlief eher hastig. Während wir bei einem Gläschen Hierbas zusammensaßen, entdeckte ich den Gecko an der Wand über dem Kühlschrank und ging meine Kamera holen. Die anderen schmunzelten über meine Geckoversessenheit und blieben von seiner Gegenwart recht unberührt. Ich bekam schließlich nur noch das Ende seines Schwanzes zu Gesicht, als er hinter dem Kühlschrank verschwand und mir demonstrierte, dass er kein Fotomodell, sondern ein Reptil auf nächtlichem Beutezug war.

Etwas unbefangener im Kontakt mit Menschen sind die allgegenwärtigen Pityuseneidechsen. Wann immer es im Gebüsch raschelt, kann man damit rechnen, dass Eidechsen anwesend sind. Und es raschelt oft. Ich dachte zuerst an Vögel, wurde aber eines besseren belehrt. Die braungrauen bis smaragdgrünen (und auf den kleineren, isolierten Inselchen auch sagenhaft blauen) Tierchen rennen zuweilen auch schon mal mit affenartigem Tempo quer über die Straße, sie krabbeln in Beeten, Büschen und auf Felsen.


Sie näherten sich neugierig, wenn wir einfach nur ruhig dasaßen, vermutlich angezogen vom Geruch unserer Lunchpakete.


Als der Gemahl nach dem Besuch des Torre del Pirata noch abwärts stieg zum Buddha-Felsgemälde und sagenhaften "Atlantis", blieben J. und ich an der oberen Kante der Steilküste und legten uns in den spärlichen Schatten, um in der Mittagshitze ein Auge zuzukneifen. Da wurden die Echsen forsch.


Sobald wir nur noch still dalagen, näherten sie sich, schnüffelten und knabberten an Ellenbogen und Ohren und erklommen kühn unsere Körper, huschten uns quer über die Brust, um dann bei der kleinsten Regung blitzartig wieder im Gebüsch zu verschwinden. Von dem Zeitpunkt an hielt sich J. ein wenig angespannt die Hosenbeine seiner Shorts zu...