Sturmflut
Ibiza (7): Freunde
Eigentlich ist es überhaupt nicht verwunderlich, nach vierzehn Tagen gemeinsamen Urlaubs die Menschen zu vermissen, mit denen man diese Zeit teilte. Mich überrascht nur, wie sehr ich es tue. Mir scheint, diese Art der Freundschaft ist man irgendwie heute nicht mehr gewöhnt - es ist eine besondere Art des gelassenen Miteinanderlebens, die den anderen so sein lässt, wie er ist.

Was zwischen uns herrscht ist eine Art der ganz und gar warmherzigen Liebe. Ich habe in dieser Zeit mit diesen Menschen große Zugehörigkeit erfahren, einige neue Macken kennengelernt (ihre und auch meine eigenen), mich geärgert und gefreut, vor allem aber gab es eine Ruhe in meinem Herzen, die mir sagte, dass ich mich nicht zu verstellen brauche und niemanden beeinflussen muss. Es war wie eine Art überdimensionaler Gefühlskonsens: Wir sind hier, wir sind zusammen, und das ist das verdammt Beste, was es im Moment gibt.

Es war nicht nur der Abschied von der Insel, der mir einen Kloß im Hals verursachte, als der Flieger abhob, als die Salinen und schließlich Es Vedra im dunstigen Nachmittagslicht unter uns verschwanden. Es war auch der Gedanke, dass dieses federleichte Miteinander jetzt erst einmal wieder vorbei sein würde. Während der zweistündigen Stunden Autofahrt, die uns im regnerischen Deutschland noch von unserer Heimatstadt trennten, machten wir indessen miteinander schon wieder neue Pläne - und als hielten wir es nicht ohne einander aus, trafen wir uns abends darauf, sahen zusammen einen Film, tauschten Fotos aus und beschlossen den Abend, wie wir auch die lauen Nächte auf Ibiza beschlossen hatten: Mit einem Gläschen Hierbas. "Loslösegruppe" nannte das A. scherzhaft. Und ich hatte das bestimmte Gefühl, dieses große Glück, auf diese Art miteinander zu lachen, würde uns möglicherweise noch öfter beschieden sein.

Ich liebe diese Menschen - alle drei. Mit ihnen kann ich mir vorstellen, alt zu werden.