Sturmflut
Mittwoch, 26. Juni 2013
Das Ende vom Lied
Ich habe mich von dem Plan, im August wieder mit S. wandern zu gehen, so gut wie verabschiedet. Es bereitet mir enormen Kummer, aber ich sehe es einfach nicht.

S. antwortete auf meine Mail, und es ist eben doch so, dass ich jetzt als rücksichtslose Person dastehe. Sie betonte, wie unglaublich viel sie um die Ohren habe, und das seien zum Teil Dinge, die sie nicht absagen könne, auf andere wolle sie aber auch nicht verzichten. Das ist - auf die wie üblich indirekte Art und Weise - ihre Begründung dafür, dass sie sich nicht mehr engagiert.

Und mir wird klar: Was ich ihr sage und schreibe, ändert nichts. Wie immer wird es auch jetzt so bleiben, dass sie sich übernimmt und dass meine Wünsche und Bitten nur noch mehr zu ihrer Überforderung beitragen. Weil sie alles will, bleibt an mir hängen, was sie nicht schafft. Ja, sie will mit mir wandern gehen, aber durch die Blume gibt sie mir zu verstehen, dass ich nicht von ihr verlangen, erwarten, nicht einmal erbitten kann, dass sie sich mehr kümmert. Schließlich ist sie ohnehin schon überlastet.

Ich soll also bitte den Planungsservice übernehmen, und dann soll ich auch noch die Verantwortung für das Gelingen der Operation tragen.

Sie schreibt, sie sei untrainiert, vor allem mit Gepäck. Da fällt mir dann nur ein, dass eine solche Tour, so sie nicht bereit ist, zu trainieren, nichts für sie ist. Vielleicht sollte sie dann lieber einen Wellness-Urlaub vorziehen, anstatt eine mehrtägige Wandertour machen zu wollen.

Schon im letzten Jahr hatte sie ihren viel zu kleinen Rucksack so randvoll gestopft, dass kein Platz mehr für ausreichend Wasser blieb und ich auch ihren Proviant in meinem Gepäck verstauen musste. Das ist irgendwie sehr sinnbildlich: Ich fühle mich, als solle ich tragen, was sie nicht tragen kann, und sie nimmt es im wahrsten Sinne des Wortes leicht, weil sie ja jemanden hat, der ihr das Gewicht abnimmt.

Dazu bin ich nicht mehr bereit.

Sie schreibt, die bisherigen Etappenplanungen setzten sie unter Leistungsdruck. Am meisten verletzt mich aber ihr Satz "(...) verstehe vollkommen, wenn Du bestimmte Touren vielleicht nicht mit mir machen möchtest, weil ich diese nicht schaffe." Davon habe ich nie gesprochen. Ich hatte um Kompromissfindung gebeten, darum, dass sie sich einbringt - und nichts kam.

Ich möchte mich verabschieden aus der Pflicht, Gedanken lesen zu sollen, alles organisieren zu sollen, es ihr recht machen zu sollen, sie bevormunden zu sollen, mich auf sie einstellen zu sollen, für sie machen, denken, tragen zu sollen, Rätsel raten zu sollen bezüglich ihrer Bedürfnisse.

Wenn sie etwas nicht kann, verstehe ich es. Aber ich verstehe nicht, dass sie es trotzdem will, und zwar dann auf meine Kosten.

Die Tour verblasst, die gemeinsamen Tage verblassen. Ich möchte das nicht. Ich fühle mich nicht wahrgenommen von ihr, ich fühle mich wie eine Reiseleiterin, die kostenlos arbeiten soll. Here we are now, entertain us.

Ich bin unglaublich wütend auf S., und ich bin es auch Leid, mich dauernd zu fragen, ob sie denn nun etwas für ihr Verhalten kann oder nicht. Wenn ihr der Kopf schwirrt, dann liegt es in ihrer Verantwortung, daran etwas zu ändern, nicht in meiner, mich dem anzupassen. Wenn sie auf allen Hochzeiten tanzen möchte, gern. Aber ich werde das nicht mitmachen.

In meiner Verantwortung liegt es, zu sagen: So nicht!

Ich bin fürchterlich traurig, aber ich glaube, eine Grenze ist erreicht, und ich muss erkennen, dass unter diesen Umständen eine gemeinsame Wanderung nicht möglich ist.

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